(LL) EIBENSTOCK: Hier, in der Werkstatt von Kunstguss Döhler, steht sie im Kleinen – und wirkt doch wie ein Schlag in die Magengrube: ein kauerndes Kind vor einer schweren Ofentür. Rick Wienecke nennt diese Figur den "Schmetterling" – entstanden aus Gedichten jüdischer Kinder aus Theresienstadt....
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(LL) EIBENSTOCK: Hier, in der Werkstatt von Kunstguss Döhler, steht sie im Kleinen – und wirkt doch wie ein Schlag in die Magengrube: ein kauerndes Kind vor einer schweren Ofentür. Rick Wienecke nennt diese Figur den "Schmetterling" – entstanden aus Gedichten jüdischer Kinder aus Theresienstadt. Eines davon endet mit dem Satz: "Nur sah ich keinen anderen Schmetterling mehr."
Wienecke schreibt, er habe beim Blick auf dieses Kind zum ersten Mal "Auferstehung" gesehen – nicht als Trostbild, sondern als Frage. Die Hand greift durch die Tür, klammert Erde: ein kleines Stück Boden als Anfang von Zugehörigkeit, von Land, von Zukunft. Und doch bleibt das Entscheidende unerreichbar: Wie der Schmetterling wird auch das Kind nicht mehr sehen, was es festhält.
Er beschreibt auch, wie ihn ein Besuch in Theresienstadt an ein weites Feld führte – ein Massengrab, markiert von einem Davidstern auf der einen Seite und einer großen Menora auf der anderen. Und er hält fest: Diese Erinnerung ist nicht abgeschlossen, sie ist Auftrag.
Darum dekoriert diese Skulptur nichts. Sie hält. Sie zwingt zum Hinsehen – und erinnert daran, dass Würde nicht in großen Worten liegt, sondern im Aushalten der Wahrheit. (Bildquelle: erzTV/Lara Lässig)
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