(LL) LÖSSNITZ: Am Eingang der Erzgebirgshalle Lößnitz roch es nach Hallenboden, Kaffee und ein bisschen Aufregung – drinnen klatschten die Bälle schon gegen die Bande. Wer an diesem Sonnabend, dem 10. Januar, nur "ein U14-Turnier" erwartet hatte, lag daneben: Beim 3. Gerd-Schädlich-Gedenkturnier trafen sich zehn Nachwuchsteams zu einem Budenzauber, der zugleich nach Ost-Derby klang und sich trotzdem wie ein Familienfest anfühlte....
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(LL) LÖSSNITZ: Am Eingang der Erzgebirgshalle Lößnitz roch es nach Hallenboden, Kaffee und ein bisschen Aufregung – drinnen klatschten die Bälle schon gegen die Bande. Wer an diesem Sonnabend, dem 10. Januar, nur "ein U14-Turnier" erwartet hatte, lag daneben: Beim 3. Gerd-Schädlich-Gedenkturnier trafen sich zehn Nachwuchsteams zu einem Budenzauber, der zugleich nach Ost-Derby klang und sich trotzdem wie ein Familienfest anfühlte. Ausrichter war der FC Erzgebirge Aue, und auf dem Zettel standen Namen, die im Osten seit Jahrzehnten Emotionen auslösen: Dynamo Dresden, Carl Zeiss Jena, Energie Cottbus, 1. FC Magdeburg, Hallescher FC, BFC Dynamo, Chemnitzer FC, BSG Chemie Leipzig – und der Gastgeber gleich doppelt.
Damit auch Nicht-Fußballer mitkamen, brauchte es nur zwei Regeln: In der Halle war alles schneller, und Zeit war knapp. Gespielt wurde im typischen Modus "4 plus 1" – vier Feldspieler und ein Torwart, dazu fliegende Wechsel. In der Vorrunde dauerten die Partien jeweils zwölf Minuten. Das war lang genug für große Gefühle, aber zu kurz für lange Ausreden: Wer einmal unsortiert war, lief dem Ball oft bis zum Anpfiff hinterher. Und wenn es in der K.o.-Runde nach regulärer Spielzeit unentschieden stand, entschied das Neunmeterschießen. Ausgerechnet im Halbfinale wurde daraus ein Nervenspiel.
Über allem stand ein Name, den im Erzgebirge keiner erklärt bekommen musste: Gerd Schädlich. Der frühere Trainer war Maßstab, nicht Fußnote. Von 1999 bis 2007 hatte er Aue betreut und die Veilchen 2003 in die 2. Bundesliga geführt – ein sportlicher Meilenstein, der im Lößnitztal bis heute nachhallt. Schädlich prägte den Ostfußball auch über Aue hinaus, etwa bei Zwickau und Chemnitz; 2022 starb er. Dass das Turnier ihn nicht nur erinnerte, sondern auch "übersetzte" – in Nachwuchs, Training, Haltung –, darüber sprach Nachwuchschef Khvicha Shubitidze am Turniertag mit MDR-Sportchef Raiko Richter. Der MDR begleitete das Geschehen per Livestream.
Dazu passte die Trophäe: Die Gerd-Schädlich-Schale war kein Wanderpokal aus dem Katalog, sondern wurde jedes Jahr neu aus Aluminium gegossen. Entstanden war sie im Dezember bei Kunstguss Döhler in Blauenthal – mit Unterstützung von zwei Profis des FC Erzgebirge Aue, die beim Guss mit anpackten.
Sportlich lief es für den Gastgeber ordentlich, aber nicht ganz bis nach vorn: Aues zwei Teams belegten am Ende Platz vier und sechs. Ganz oben stand nach der dritten Auflage ein neuer Sieger: Energie Cottbus holte die Schale. Im Halbfinale setzte sich Cottbus gegen Aue nach Neunmeterschießen mit 3:2 durch, der BFC Dynamo gewann sein Halbfinale gegen den Chemnitzer FC mit 2:0. Im Finale blieb Cottbus auf Zug und siegte 3:0 gegen den BFC. Platz drei ging an den Chemnitzer FC, der im kleinen Finale Aue mit 4:2 bezwang. (Bildquelle: erzTV/Lara Lässig)
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