(MT) SCHNEEBERG: Schneeberg begeistert mit seinem historischen Charme, lebendiger Bergbautradition und einer einzigartigen Atmosphäre. - Das gilt eigentlich immer. Besonders aber zu den Festtagen, die in der Stadt gefeiert werden. Wer Bergparaden zeitlich mit dem Winter und der Weihnachtszeit in Verbindung bringt, der kennt den Schneeberger Bergstreittag nicht. Immer am 22. Juli marschieren Bergleute durch die Stadt. Sehr zur Freude unzähliger Schaulustiger.
Wenn zum Bergstreittag Geschichte in den Gassen nachklingt und das Erzgebirge seine Seele zeigt, lädt Schneeberg dazu ein, das Brauchtum mit allen Sinnen zu entdecken. Die Tradition eines solchen Feiertages ist der Schneeberger Bergbaugeschichte entsprungen, die hier 1471 begann. Nach 25 Jahren intensiven Bergbaus wurden die Silberfunde erstmals weniger. Der Aufwand wurde immer größer, das Betreiben der Gruben teuer und der Ertrag geringer. Grubenbesitzer beschlossen deshalb 1496 den Wochenlohn der Bergleute von zehn Groschen um einen Groschen zu "brechen". Daraufhin legten die Knappen ihre Arbeit nieder. Der Versuch, den Lohn zu schmälern, konnte durch eine Gewerkschaft - die Knappenschaft - abgewehrt werden.
Bis in die Gegenwart erinnert der Bergstreittag an den letztlich erfolgreichen Widerstand Schneeberger Bergleute gegen die geplante Lohnkürzung durch die Grubenbesitzer in den Jahren 1496 und ein weiteres Mal 1498. Die lebendige Tradition eines Bergstreittages an jedem 22. Juli legte Kurfürst Johann Georg II. 1665 fest. Er erließ dazu, dass deshalb am Tag "Maria Magdalena" Gottesdienst gehalten werden solle. Der gehörte auch 2026 zum Programm.
Die Schneeberger sind stolz darauf, dass ihr Bergstreittag eines der bedeutendsten Bergfeste des Erzgebirges ist. Manchmal wird er auch an mehreren Tagen gefeiert, zum Beispiel wenn der 22. Juli auf ein Wochenende fällt. Das ist zwar 2026 nicht der Fall, aber weil man 2021 wegen Corona die runden 550 Jahre seit den ersten Silberfunden nicht gebührend feiern konnte, feiert Schneeberg heuer "555 Jahre Berggeschrey". Der Bergstreittag am 22. Juli war Auftakt der ereignisreichen Festtage, die bis zum 26. Juli dauern sollen.
Schneeberg will ein Ort sein, der Einheimische und Gäste der Stadt begeistert. Deswegen werden alte Traditionen von Generation zu Generation weitergegeben und gepflegt. Und es werden neue Ideen geboren und in die Tat umgesetzt. Eine solche ist die Bürgermeisterwette, die nun schon seit ein paar Jahren so manchen auf die Beine bringt, allen voran Bürgermeister Ingo Seifert.
In diesem Jahr war die inzwischen zehnte Wette ein Höhepunkt am Tag 2 bei der Schneeberger Festwoche "555 Jahre Berggeschrey". Die Wett-Auflösung bestimmte am Nachmittag gut eine Stunde das Geschehen auf der Marktbühne, denn es wurden viele Leute begrüßt und vorgestellt.
Jens Haußner hatte zum einen gewettet, dass es Bürgermeister Ingo Seifert nicht schafft, 55 Schneebergerinnen und Schneeberger, die 2026 ihren 55. Geburtstag feiern, auf die Bühne zu bringen. Dabei müssen die schon beziehungsweise bald 55-Jährigen nachweisen können, dass sie in den vergangenen fünf Jahren ihren Wohnsitz in Schneeberg hatten.
Am Ende standen 61 Personen bei Bürgermeister Seifert und der Moderatorin Katja Lippmann-Wagner auf der Bühne. Das Stadtoberhaupt hatte vorher im Melderegister 153 Einwohner gefunden, die die geforderten Kriterien erfüllen. Und wie er schon tags zuvor beim Bergstreittag verriet, hatte er allen einen Brief geschrieben und sie persönlich eingeladen.
Soweit so gut. Doch die Wette hatte noch einen zweiten Teil. "555 Jahre Berggeschrey" - zwei Fünfen, also 55, waren gefragt. Aber es war noch die dritte Fünf in der Wette enthalten. So mussten zusätzlich fünf weitere Schneebergerinnen oder Schneeberger auf der Bühne stehen, die ihren 55. Geburtstag innerhalb von fünf Tagen vor oder nach dem 23. Juli feiern können. Weil nur zwei unter den 1971 Geborenen auf der Bühne dieses Wettkriterium erfüllten, ging die Wetter für den Bürgermeister verloren.
Im November, bevor der Schneeberger Weihnachtsmarkt beginnt, muss Seifert seinen Wetteinsatz einlösen und die Kaue, durch die der Besucher den Weihnachtsmarkt betreten kann, mit Jens Haußner und den Leuten der örtlichen Zimmerei aufbauen.
Und weil der Bürgermeister einen Teil der Wette schaffte, wird Jens Haußner im Stadtteil Neustädtel einen großen Bilderrahmen als Fotopunkt errichten. Den Bürgermeister treffen wir später im Kiez "Am Filzteich", wo er uns zum Ergebnis der Wette Folgendes sagt: "Das Ergebnis ist super, weil mir ja über den über die Wette selber erst mal richtig bewusst geworden ist, dass es ein Jahrgangstreffen war. Das war so der Jahrgang 1971, der sich einfach noch mal getroffen hat. Und wir haben ja als Überschrift zu unserem Stadtjubiläum geschrieben, wir wollen Gemeinschaft stärken, wir wollen das Fest gemeinsam feiern und somit war es ein, also ein Baustein, der absolut reingepasst hat in unsere Thematik. Und du hast viele, viele glückliche Menschen gesehen. Das war mir auch wichtig. Und dass wir am Ende dann so halb und halb ein Teil habe ich gewonnen, einen Teil habe ich verloren und was wir beide unseren Wetteinsatz einlösen. Ich denke, das hat auch die Stadt einfach verdient."
Eine lebendige Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří als Unesco-Welterbestätte ist wichtig für die Tourismusbranche. Zum Schneeberger Bergstreittag sind Gäste der Stadt auch im Kiez "Am Filzteich" untergebracht.
Geschäftsführer Christfried Nicolaus: "Unser Kiez am Filzteich ist als die Gruppenunterkunft im Erzgebirge bekannt. Und die Gäste, die vielen, vielen zahlreichen Gäste, die jetzt hier zu dieser tollen Veranstaltungen kommen, sind in die Bergstadt, die bleiben natürlich auch in unserer Unterkunft, das ist doch ganz klar. Sie werden hier natürlich auch bestens versorgt."
Im Frühjahr diesen Jahres stellte das Kinder- und Jugenderholungszentrum am Filzteich gleich mehrere neue Projekte vor, die künftig vor allem Kindern die Geschichte der Montanregion Erzgebirge näherbringen sollen. Zwei neu entstandene Informationstafeln geben einen Überblick über die Region Schneeberg und bedeutende Stationen des regionalen Bergbaus. Beim "Bergbau-Maxe" handelt es sich um eine vom Künstler Robby Schubert gestaltete Bergmanns-Figur, die Kindern das Erbe der Montanregion als Fotomotiv nahbar vermitteln soll.
Christfried Nicolaus: "Das Kiez am wunderschönen Filzteich freut sich natürlich immer über die Gäste aus nah und fern. In diesem Jahr feiern wir unser 35-jähriges Jubiläum,. Und da ist es natürlich schön, dass das mit so einem Jubiläum wie in der Bergstadt mit unserem Jubiläum hier gerade alles so zusammenkommt. Und dann wollen wir am 25. September unser 35-Jähriges groß feiern.
Im Kiez am Filzteich freute man sich aber erst mal, dass man sich um die Gäste, die zur Festwoche "555 Jahre Berggeschrey" nach Schneeberg gekommen waren, mit ganz viel Herzblut kümmern konnte. Dieses Engagement freut wiederum den Bürgermeister: "Das Kiez hat eine ganz wesentliche Bedeutung für die Bergstadt Schneeberg, weil es eines der größten Unterbringungsbetriebe ist, die die Bergstadt Schneeberg hat. Sie ist ein ganz wichtiger Anlaufpunkt für gerade junge Menschen, für Kinder, für Vereine, aber auch für für Familien Und deswegen auch ich sage mal ganz, ganz wichtig für die Stadt, dem Image und in der Außenwirkung."
Am dritten Veranstaltungstag, dem Freitag, wurde unter anderem die städtische Auszeichnung für verdienstvolle Bürger überreicht: das "Silberne Herz der Bergstadt Schneeberg". Gewürdigt wurden damit 2026 Corinna Rößler und Christian Unger, die sich Beide mit großem Engagement für ihren Sport einsetzen.
Die Auszeichnung trägt ihre Bezeichnung nicht ohne Grund: Die Geschichte der Bergstadt Schneeberg begann im 15. Jahrhundert mit der Entdeckung reicher Silbererzlager. Der einsetzende "Schneeberger Silberbergbau" löste einen regelrechten Bergbauboom aus: Bergleute, Handwerker und Händler strömten herbei. In kurzer Zeit entstand eine blühende Siedlung. 1471 erhielt Schneeberg das Stadtrecht.
Die gesamte historische Innenstadt von Schneeberg wird am Sonnabend zum Festgelände Vom Fürstenplatz über den Markt bis hin zum Areal rund um die Goldne Sonne warteten verschiedene Aktionsflächen und Vereinsbereiche.
Die Organisatoren der Festwoche "555 Jahre Berggeschrey" haben bewusst auf Beteiligung statt auf große, externe Acts gesetzt. Ihr Ziel war es, dass möglichst viele Vereine, Unternehmen, Einrichtungen sowie Bürgerinnen und Bürger das Jubiläum aktiv mitgestalten.
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